27.02.2010  _  Kolumne + Büchel + Fashion + Fisting + Gangster + Schlafzimmerräuber Facebook Kommentare 1

Verbrecherfashion: Stilsicher als Schlafzimmerräuber

Die Kolumne aus der SonntagsZeitung vom 28.02.2010

Grafikerstyle Bild: Kapo Zürich


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Die Sensation in Sachen spätwinterlicher Streetfashion sind die neusten Überwachungskamera-Shots der Kapo Zürich (www.kapo.zh.ch): Exklusiv enthüllen sie den persönlichen Style der sonst so Publicity-scheuen Medien-Celebs, die als «Schlafzimmerräuber» im Sturm die Gazetten erobert haben.

Schwarze Hosen, schwarzer Kapuzenpulli, schwarze Lederjacke, schwarze Handschuhe, die ganze Gewandung ist aus einem Guss, ohne Schnickschnack. Auf den ersten Blick würde man Grafiker oder Architekten vermuten.

Für uns Fashion-Forensiker aber bleiben Zweifel. Würde ein Grafiker sich beim Bancomaten in so billigem Schuhwerk fotografieren lassen? Brächte es ein Architekt über sich, in einer deutlich zu weit geschnittenen, die Korpulenz unterstreichenden Lederjacke ans Shooting zu gehen? Ausserdem ist die eine Wollmütze zwar schwarz, aber mit einem Streifen verziert. Jeder, der drei Semester Architektur studiert, hört wieder und wieder Adolf Loos Diktum «Ornament ist ein Verbrechen». Grafiker und Architekten scheiden als Verdächtige also aus.

Aus ermittlungstaktischen Gründen kann die Polizei natürlich nichts preisgeben, aber gerüchteweise sickern Fahndungserkenntnisse durch: War der eine Schlafzimmerräuber unterwegs, um sich am Bancomaten knipsen zu lassen und «Heute bin ich ein Schlafzimmerstar»-Glamour einzuheimsen, kam es dem wartenden Komplizen doch nie in den Sinn, zu befehlen: «Jetzt werfen wir diese grauenhafte Vase und die billigen Gardinen weg. Und dann helft ihr mir hier mal alles ein wenig umstellen.» Man kann also auch Homosexuelle ausschliessen, womit noch einmal bis zehn Prozent der männlichen Bevölkerung als Täter aus dem Schneider sind.

Gespannt harren wir nun, wie der Frühlingslook ausfallen wird. Naheliegend wären Sonnenbrille und schwarzes T-Shirt statt Kapuzenpulli. Aber was macht man bei warmen Temperaturen mit den Handschuhen? Vielleicht Chirurgiehandschuhe? Und für den Fall einer misstrauischen Kontrolle die Ausrede: «Äh, ich komme direkt vom Fistingplausch bei dieser Christoph-Büchel-Swinger-Installation und muss schnell Geld für die nächste Runde GinTonic rauslassen. Pro Helvetia zahlt ja kaum noch was.» Kombiniert man unsere CSI-Fashion-Analyse mit Daten wie Alter, Dialekt und Tatorte, so dürfte sich der Fahndungsdruck dramatisch erhöhen. Allerdings müssen in Zürich auch ständig Falschparkierverbrecher, Schwarzfahrgangster und Wahlkampfkriminelle aus dem Verkehr gezogen werden, sodass Aufgabenlast und Personalknappheit die Polizeiführung zwingen, nur das Allerwichtigste zu machen. CSI Fashion auf: www.haem.ch

Unvorteilhafte Lederjacke Bild: Kapo Zürich


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Mützenornament ist ein Verbrecher Bild: Kapo Zürich


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Schwarze Handschuhe Bild: Kapo Zürich


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Gangsterstyler Bild: Kapo Zürich


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Geld für Christoph Büchels Swingerclub Bild: Kapo Zürich

Quelle und Zeugenaufruf: Kantonspolizei Zürich

Nachtrag 15.März.2010: Schlafzimmerräuber schlagen wieder zu.

Und: auf youtube sieht man neue Verbrecherfashion wie sie als Streetstyle in der Schweiz getragen wird..

Auffällig ist dabei zweierlei: Statt der schwarzen Achitektenkluft wird der Frühling mit hellen Hosen vorweggenommen. Und als geradezu gewagt, um nicht zu sagen kokett, sind die gestreiften Hallo!-Hier-bin-ich!-Kapuzen zu bezeichnen

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