11.04.2010  _  Kolumne + Sandra Bullock; Jesse James; Affären; Gery Hart; Carla Bruni Facebook

Ich bin “Team-Sandra“!

Die Kolumne aus der SonntagsZeitung vom 11.04.2010

Schockierend! Aufwühlend! Schmutzig! Neue superpikante Details von Sandra Bullocks untreuem Gatten Jesse James! Liebhaberin Zwo, die Stripperin Melissa Smith, hat sich in einem T-Shirt mit dem spöttischen Aufdruck „Team Sandra“ ablichten lassen. Aber um Michelle McGee, die James-Geliebte Eins mit den vielen Tattoos und dem Nazi-Schnickschnack medial ausstechen zu können, braucht es ein Quäntchen Provokation.
Derweil geisseln die Chronisten Jesse James als „Monster“ (US-Weekly), beklagen das bittere Los von Sandra („Sands“) und wecken unser aller Mitleid. Meins auch. Dann betrachte ich so ein leckeres Bullock-Porträt und denke: „Sands-Darling, was für ein böser Ehemann. Welch Fehlgriff! Allein schon diese Tätowierungen! Aber keine Sorge, ich bin ja für dich da.“ (Vielleicht sollte ich nach dem Muster all der ungebetenen E-Mails und offenen Briefe, die ständig publiziert werden, festhalten: „Sands, honey, if you need a shoulder to lean on, my email is: haemmerlit@web.de No tattoos!“)
Und die französische Gala zählt noch einmal alle Prominenten auf, bei denen Untreue zur Sache von uns allen wurde: Von Isabelle Adjani über die Chiracs und die Mitterands, von Nicole Kidman über Françoise Hardy bis zu den Beckhams. Prächtig entwickelt sich auch die Story über die angeblichen Affären von Sarkozy und Bruni, nicht zuletzt weil Ex-Ministerin Dati verwickelt sein soll, als Vater deren Kindes Nicolas Sarkozy, sein Bruder François Sarkozy sowie der spanische Ex-Präsidenten Aznar vermutet worden waren.
Was ist bloss los? Als notorische Flachleger wie die Kennedys oder Kissinger ihre Höhepunkte hatten, waren Affären keine Zeile wert. Sie galten eher als Virilitätsbeweis, als Indiz, dass einer Manns genug wäre, notfalls Kuba oder den Iwan in die Steinzeit zu bomben. Und noch während Mitterands Regentschaft wusste halb Paris um die uneheliche Tochter, aber geschrieben hätte es keiner.
Die Hysterie begann 1988 als der demokratische Präsidentschaftsfavorit Gary Hart wegen einer Affäre abgeschossen wurde. Obwohl damals eine Mehrheit der US-Bürger befand, Untreue stehe dem Präsidentenamt nicht im Wege. Inzwischen macht schon die Affäre des Lovers eines Starletts einen Skandal. Ja, vielleicht reicht für ein wenig Rampenlicht schon ein Techtelmechtel mit der aufgeflogenen bzw. selbstdeklarierten Affäre des Gemahls eines Filmsterns? „Michelle McGee? Yo! You available now? No tattoos yet, but I can talk like the fuhrer! You find me on www.haem.ch.

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Wie durchgedreht sich die Causa Bullock-James entwickelt, zeigen:
die T-Shirt-Verkäufe in Sachen „Team-Sandra“
und die ganzen hasserfüllten Invektiven auf der Team-Sandra-Bullock-Facebook-Seite.

Und hier noch eine schöne Kurier-Kolumne von Doris Knecht, die den Fall Tiger Woods abhandelt.

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