24.09.2018

Daniel Rysers Köppel-Bio: Lesenswert, trotz vieler Lücken

An einem Abend weg gelesen. Ich finde derlei Bücher für Medienmenschen ja Pflicht. Und halte Leute wie Reda El Arbi für deppert, die behaupten, man tue Köppel damit zuviel Ehre an. Beim Verwirklichen von Tettamantis Programm, dass die Rechte zuerst den Kampf um die Köpfe gewinnen muss, war und ist Köppel unglaublich erfolgreich. (Auch weil es kaum ein publizistisches Gegenprogramm gibt.) Was damit zusammen hängt, dass der Mann ein so brillanter Blattmacher ist, der es versteht, jeder Geschichte den gewünschten Drall zu verpassen. Und man kann Köppel Charme und Humor nicht absprechen, auch wenn er inzwischen zuweilen verbiestert wirkt.

Rysers Buch hat grosse Verdienste in dem es nach zeichnet, woher Köppel kommt, in dem es  den Köppel-Berater Bruno Franzen vor seinem Tod noch interviewte. Und vor allem, weil Ryser den Anwalt Wagner, der den Weltwoche- und den BaZ-Deal einfädelte, noch vor seiner Ermordung zum Reden brachte. Jetzt weiss man wie die Geschichte lief. Wie selbstherrlich und tumb Ringier agierte und sich damit den Kauf der Jean Frey vermasselte, das ist grosses Kino. Und bestätigt einmal mehr: Überall wird gewurstelt. Klar ist auf jeden Fall auch: Der Kauf der Weltwoche durch Matter, Tettamanti und Co. war immer ein politisches Projekt.

Etwa nach zwei Dritteln der Lektüre waren mir die ellenlangen Zitate oft der gleichen Leute dann etwas zu langatmig. Und man vermisst die Analyse. Wenn Ryser schreibt, Köppel gebe in Diskussionen kein Jota nach und wolle immer gewinnen, warum hat er dann nicht einmal z.B. ein Schawinski vs. Köppel-Streitgespräch analysiert? Und minutiös auseinandergenommen, um zu zeigen, was Köppels modus operandi ist?

Unverständlich ist mir auch, dass bei der Uni nur dir Rede von Georg Kohler ist, der Köppels Liz-Arbeit über Carl Schmitt betreute. Köppel kannte  ich vom Carl Schmitt-Seminar von Heinrich Lübbe, einem brillanten Vertreter der Ritterschule, deren Programm es nach dem Kriege war, die kontaminierten Denker des deutschen Konservativismus anschlussfähig zu machen an die Westbindung und an die technische Moderne. Lübbe war 1971 vom stockkonservativen LdU-Regierungsrat Alfred Gilgen als Gegenprogramm zu den 68ern geholt worden. Und er war die überragende Gestalt in der politischen Philosophie an der sich Linke wie ich abarbeiteten, und andere inspirieren liessen. Seine Rhetorik jedenfalls fand man jahrelang wortgetreu in Köppels Texten.

Eine andere Vaterfigur gegen 68er-Bestände, insbesondere gegen den Feminismus, war, wie man aus dem Magazin damals oft hörte, Eugen Sorg, der im Buch immer wieder erklärt, dass sie einfach tollen Journalismus hätten fabrizieren wollen. Sorgs Furor als Konvertit fehlt im Buch. Wie auch eine Analyse von Köppels Wirkung auf andere fehlt, etwa all der Leute, die eine Weile unter Köppel dienten und dann als bekehrte von dannen zogen. Etwa Andreas Kunz, der als weltoffener, begabter junger Journalist zu Köpel ging, und heute als Redaktionsleiter (wenn ich mich nicht täusche) der SonntagsZeituntg, äusserst SVP-affin agiert.

Mit fehlt auch, dass man nachgezeichnet hätte, wie unglaublich stier das Magazin und die Weltwoche vor Köppel waren. Wie bleiern das Klima im Journalismus damlas war. Bei der Weltwoche weiss ich das noch so genau, weil man mir – kurz bevor Köppel kam – den Posten als Kulturchef anbot. Was ich ablehnte, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass man unter dem braven Fredy Gsteiger das Blatt aus seiner Starre würde befreien können. Gegen das Brave damals stand u.a. das Haffmanns Universum, der Zürcher Haffmann Verlag publizierte Leute aus dem Umfeld der frühen Titanic und der Neuen Frankfruter Schule. Das verschlang man unter jüngeren, aufgeweckteren Journalisten. Köppel brachte ganz am Anfag diesen Geist ins Magazin. Doch dann: Stürzte eine Eine Maschine der Swissair ins Meer. Die Schweiz stand Kopf. Dummerweise hatte es genau an diesem Wochenende im Magazin ein Gedicht von F.W.Bernstein, das sich mokiert, Flieger fielen manchmal auch vom Himmel. Und vom SSR gab es in der Nummer ein Inserat, das gegen Billiglinien stänkerte. Illustriert mit Grabsteinen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob die Nummer eingestampft wurde, jedenfalls: Girsberger tobe. Und danach verlegte Köppel die Provokation mehr aufs Wirtschaftliche und Politische, wobei ein Wendepunkt ein Text des McKinsey-Manns und frisch gebackenen CS-Boss Lukas Mühlemann war. Das war ein Bruch, der ein wenig zum Muster wurde, wie Köppel mit Schwenkern nach rechts provozierte.

Mich ärgert auch, dass das Res Strehle Märchen von der Hausbesetzer-Party, deretwegen er am Stauffi verurteilt worden sei, wieder aufgewärmt wird. Strehle halte ich in der Rückschau auf seine militanten Jahre für unehrlich. Warum ich das weiss? U.a. weil ich für die gleiche Besetzung verurteilt worden bin. Das war eine Massenbesetzung, keine Party.

Verschenkt ist im Buch auch die Geschichte um Jörg Rappold, der am rechten Rand der FDP politisiert hatte und Köppel den Weg in eine der Traditions-Zünfte ebnete. Und sich dann, als herauskam, dass er Freunde um ihre Vermögen betrogen hatte, das Leben nahm. Köppel schrieb eine Abschiedshymne, die das alles ausparte. Interessant wäre Rappold nicht nur wegen der juicy Details (Nachlesen bei Hilde Schwaninger) gewesen, sondern auch, weil es Köppel wie auch Blocher lange zur alten Elite drängte. So versuchte es Köppel ja auch erst Richtung Fresinn und war ein FDP-Werberboy (auch davon nix im Buch) als der frischgebackene Fulvio Pelli eine Art neueren, frischeren, urbaneren Freisinn zu zimmern versuchte. Ich weiss nicht mehr, wer mir das erzählt hat, evtl. Zimmi selber, aber Zimmermann, Blocher und Köppel seien einmal zusammen geshockt, als Blocher Köppel erklärt hatte, dass Leute wie sie dort nie dazu gehören würden. Rappold war als Scharnier eine Ausnahme (deshalb hätte mehr zum Casus gut ins Buch gepasst). Dass Köppel sich am Schluss offen zur SVP bekannte, hängt auch damit zusammen, dass er bei der alten Elite nie Fuss fassen konnte. Genauso wenig wie Blocher.

Nun gut, ich bin als Medienfritze evtl. zu nahe dran, aber ich finde, hätte Herr Ryser ein wenig mehr recherchiert, mehr analysiert uns sich Urteile zugetraut, es wäre ein besseres Buch geworden. Trotzdem lohne es die Lektüre allemal.

 

PS: Ich tippe hier kurz aus dem Gedächtnis runter, weil mich ein Tweet von Hansi Voigt dazu provoziert. Und sollte schon wieder Kinder holen und und und. Möglich, dass mein altes mechanisches Hirn etwas nicht mehr so präzise weiss, dann bitte ich gerne um Korrektur. Das Urteil aber bleibt.

 

 

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