14.12.2013  _  Kolumne Facebook

Max, Mucky und Lecky

Kolumnen von ca 2006
Momentan liebe ich meinen Briefkasten. Tag für Tag erquickt mich die Zeitung mit der Finanz-Soap «Swissfirst», die mit brillant besetzten Bösewichten unterhält. Viel Freude bereiten mir aber auch die «Nachrichten» des Vereins gegen Tierfabriken (VgT), die sich unbestellt im Briefkasten finden.
Darin versucht Doktor Erwin Kessler, mir meinen Frühstücksschinken madig zu machen, indem er argumentiert, Schweine seien «sehr anspruchsvolle Tiere, ähnlich wie Hunde». Folgerung: «Sie sollten nicht gegessen werden.» In meinem Fall ist das verlorene Liebesmühe. Ich halte es mit dem kantonesischen Sprichwort: «Wenn etwas vier Beine hat und kein Tisch ist, dann kann man es essen.»
So wollte ich kürzlich Chinesen vorführen, dass selbst die Schweiz Gegenden mit entspannt tabulosem Speiseplan kenne. In verschiedenen Appenzeller Speiselokalen, die traditionelle Küche affichieren, fragte ich nach, ob sie uns einen Appenzeller Hund zubereiten könnten. Man beschied mir, das ginge nicht mehr, das sei jetzt verboten. Alles geht den Bach runter. Als reichte es nicht, dass heute selbst das Weibsvolk abstimmt, lässt der Appenzeller sämtliche seiner Traditionen fahren.
Dabei ist gegen ein gutes Stück von einem glücklichen Hund nix einzuwenden! Ausser, es sei nicht zart genug. Leider gibt es aber auch bei uns unglückliche Hunde. Jedenfalls schloss ich das aus dem VgT-Artikel «Vegan ernährte Hunde». Darin geben Peter und Claudia Kopp zu, sie ver wendeten als «Belohnungs- und Trainingshäppchen» für ihre drei Hunde immer Lecky, was «mit Freude angenommen» würde. Bei Lecky denkt unsereiner, Schweinigel durch und durch, natürlich ans Beate-Uhse-Sortiment. (Kunstzunge Lecky, beidseitig genoppt.) Tatsächlich ist Lecky aber ein «Gemüseleckerbissen», den Kopps Hunde fressen müssen. Arme Schweine! Beziehungsweise Hunde. Und so sehen Schnauzer Fritz sowie die Jack Russell Max und Mucki auf dem Foto auch aus. Moros blicken sie in die Kamera.
Mir scheinen ihre Mienen auszudrücken: Bitte, bitte, nur ein klitzekleines Wurstzipfelchen, bitte. Aber nix da! Für vegan ernährte Hunde ist selbst das Drei-Minuten-Ei gestrichen. Mir käme kein vegan geplagter Hund, mir käme weder Fritz noch Max noch Mucki auf den Tisch. Man hat doch seine Ethik.
Thomas Haemmerli

Glück und Ethik vermählt

Claudia und Peter Kopp, entnehme ich ihrem Leserbrief, sind enttäuscht ob meiner letzten Kolumne, die ihre vegan ernährten Hunde als unglückliche beschrieb. Ich gestehe es: Ohne weitere Recherchen war ich der irrigen Auffassung, der Hund ganz generell wolle seiner Natur folgend Fleisch fressen, ja, der Hund – diese treulose Tomate! – habe selbst dann einen Willen zum Wurstzipfel, wenn Herrchen und obendrein auch noch Frauchen von Kopf bis Fuss auf Veganismus eingestellt wären, kurzum, der vegan ernährte Hund sei eine unglückliche Kreatur, weshalb er mir nicht auf den Tisch käme.
Da intervenieren Kopps: Ihre drei Hunde sind rundum glücklich! Guten Gewissens also dürfte ich Fritz, Max und Mucki aufessen. Meine ethischen Bedenken haben Sie, Kopp und Kopp, restlos ausgeräumt. Es bleiben kulinarische Zweifel. Auch wenn Sie mich wieder schelten werden, ich recherchierte zu wenig, mutmasse ich alleine kraft ähnlicher Erfahrungen, dass Ihr elfjähriger Fritz einfach zu zäh wäre. (Über die Auswahl des passenden Hundebratens wird keine Korrespondenz geführt.)
Dazulernen musste ich nicht nur über das, was Hunde am liebsten fressen («Wuffwuff, könnt ich noch ein Tofu-Leckerchen haben!»), sondern auch über das naturgemässe Wesen der Frau. Die Frau fühlt sich, nimmt man sie so, wie sie wirklich und eigentlich, das heisst, gemäss ihrer Natur, ist, und nicht so, wie sie die Irrlehren gleichstellerischer Zwängereien, wie sie feministische Fantastereien und ökonomische Verwurstungszusammenhänge haben wollen, die Frau also fühlt sich ja am allerwohlsten zwischen Wohnwand, Waschmaschine und Windeln. Jedenfalls trötet das einem die Televisionsschnalle Eva Herman aus den Gazetten entgegen. Nicht TV-Schnalle, nein, Hausfrau sei die natürliche Bestimmung der Frau, Kinderkrippen und Karriere infolgedessen böse. Aber klar doch! Hockt nicht die Löwenmutter in der Löwenhütte, derweil der König der Tiere im Büro Tofu-Brötchen verdient? Bleibt nicht die Bienenkönigin zu Hause, derweil die Bienenmännchen zur Arbeit ausschwärmen? Und sind nicht die Skandinavier, bei denen es wider jede Natur so viele Krippen und werktätige (Haus-) Frauen gibt, die unglücklichsten Menschen der Welt? (Alkoholismus! Kaurismäki!)
Mag man mir die koppschen Hunde garen, so eine unglückliche Skandinavierin kommt mir nicht mal bei einem Besuch von Menschenfressers auf den Tisch! Man hat doch seine Ethik.


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