26.03.2011  _  Kolumne + Eat Pray Love + Julia Roberts + Kronenhalle + Minor + Piratebay Facebook

Eat Pray Love oder Vom alleine essen

Die Kolumne aus der SonntagsZeitung vom 27.03.2011

Es gibt Filme, da ist mir selbst der Aufwand zu gross, sie schnell bei Piratebay herunter zu laden. Die sehe ich mir bloss auf den Minildschirmen älterer Flugzeuge an. Frauenfilme zum Beispiel. Wer sich zur Damenwelt gedrängt fühlt, sollte auch ein wenig Frauenversteher sein. Da helfen “Ally McBeal”, “Sex & the City”, “Desperate Housewives” oder “Bridget Jone’s Diary”. Also sah ich mir gestern bei British Airways „Eat Pray Love“ an. Schon das Buch war allgegenwärtig und 187 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times. Es verhandelt die Reise einer frisch Geschiedenen durch Italien, Indien und Indonensien und wurde zum notorischer Frauenfilm mit allem,was dazu gehört: Mit vielen, mit sehr vielen Kerzen. Mit Yoga. Mit Wellness und esoterischem Summs. Mit schnittigen sudländischen Lovern, die triefen vor lauter Romantik. (Im realen Leben ist dieser Typus inexistent. Oder homosexuell.) In der Hauptrolle Julia Roberts, bei der mir immer scheint, ein äusserst expressives Achtzgier-Jahre-Malergenie müsse ihr diese überdimensionierten Lippen ins Gesicht geschmiert haben. Kurzum, ein etwas langweiliger Frauenfilm. Loben aber muss man die Szene, in der Roberts alleine im Speiselokal sitzt und sich genüsslich einen Teller Pasta reinschaufelt.
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Kürzlich gab es in Little Big Grössenwahn aka Zürich ja eine Minidebatte, weil ein Direktor der Kronenhölle (dem Nobelrestaurant mit dem lausigen Preis-/Leistungsverhältnis in Sachen Wein) einen Gast gemassregelt hatte, wegen des Lesens eine Zeitung auf einem Labtop. Im Tagesanzeiger vermeldete darauf eine Frau Minor zustimmend, ein Labtop am Nebentisch störe sie einfach. Und Ernst Bachmann, Boss von Gastro Zürich, befürchtete den Niedergang der Geselligkeit. Was für Kanaillien! Eine meiner grössten Feuden ist es, alleine essen zu gehen. Während ich mir „Eat Pray Love“ antat, wusste ich schon, angekommen in Zürich, würde ich in schnurstracks in meine Stammkneipe gehen. Fast alleine! Begleitet nur von Lektüre. Sowie von zwei Ohrstöpseln, falls jemand von Frau Minors Format am Nebentisch vor sich hin schwadronieren sollte. Man geht ins Restaurant, weil man nicht selber kochen will. Nicht weil man zwingend Geselligkeit bräuchte. Fast alle meine Kolumnen entstehen in meinem Lieblingslokal. Und ich wundere ich mich öfters, dass in Zürich so wenig Leute alleine essen sehe. Zumal die Mehrheit der Bevölkerung alleine lebt. In Wien oder Paris etwa, sieht das ganz anders aus. Aber die Zürcher sind da halt ein wenig verklemmet. Und dass der Kronenhöllechef noch nicht weiss, dass Zeitungen heute digital sind, bestärkt mich bloss, dort weiterhin höchstens einzukehren, wenn sehr gute Freunde unbedingt darauf bestehen.


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