06.11.2010  _  Fotos + Kolumne + dia de los muertos; halloween + hexerei + santa muerte Facebook Kommentare 1

Allerneuste Trends in Sachen „Dia de los muertos“

Die Kolumne aus der SonntagsZeitung vom 7.11.2010


Schaufenster einer Bäckerei
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In Mexico begeht man gerade den „Dia de los muertos“, den Tag der Toten. Dabei lässt sich beobachten, wie Trends und Moden in Sachen Religion entstehen. Am Totentag gedenkt man der Verblichenen, die kurz auf der Erde vorbeischauen, weshalb Opfergaben wie Schnaps und Zigaretten bereit zu stellen sind. Dieser vorkoloniale Brauch war dermassen stark, dass die katholischen Glaubensstrategen der Kolonialisierung ihn auf Allerseelen legten, um ihm ein wenig christliche Tünche zu verpassen. Und so findet man in den Kirchen neben Marias und Christusstatuen Sonderaltäre mit Opfergaben, Skeletten und allerlei Heidnischem vor.
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Grab-Dekoration
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Derweil dem Tag der Toten dank Marketing und der Liebe des Mexikaners zu Makaberem das gesamte Haloween-Produktesortiment beigemischt worden ist. Die Festtage sind geprägt von Plastik-Kürbissen, Draculas und Horromasken, die sich einträchtig mit christlichen Marias und heidnischen Totenbroten an den allgegenwärtigen Hausaltären zusammen finden.
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Dazu passt – trotz Gegnerschaft von Kirche & Staat – La Santa Muerte, die Mutter Todes, verkörpert als ein Skelett, das wie Maria gewandet ist und immer mehr Anhänger findet. Die Gläubigen rekrutieren sich bei der Narko-Mafia und der Polizei. La Santa Muerte garantiert, dass man einigermassen glimpflich zu Tode kommt, was beim heftigen Drogenkrieg, in dem alle Seiten sich in Grausamkeiten übertrumpfen, noch die abgefeimtesten Charaktere beten lässt, es möge dann schnell gehen.
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La Santa Muerte mit angehefteten Spender-Noten
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Im Fachmarkt für Hexerei schenkt mir eine Verkäuferin eine Taschen-Santa-Muerta, nicht ohne sie vorgänging noch mit einem Spray einzunebeln, der sämtliche übernatürlichen Potenzen Afrikas enthält. Sie zählt mir alle sieben auf, kann aber die Funktionen nicht erklären, weil: Die Namen sind auf Afrikanisch angeschrieben. Mein Lieblinsprodukt aber wird „Jabon de ven a mi“, die „Komm-zu-mir-Seife“. Um eine geliebte Personen zu kriegen seift man sich (nicht sie!) fleissig ein und sagt jeweils um zwölf Uhr drei Mal den Namen. Gute Resultate garantiert! Man müsse, steht da, einfach alles in starkem Glauben verwenden. Das ist mindestens so gut wie unser eigener Hokuspokus von Graphologie über Famillenstellen bis zu Homöopatherei, denn falls mans nicht so mit der Hygiene hat, kann so eine Zauberseife Wunder wirken.


Komm zu mir Seife

„Benützen Sie sie mit viel Glauben“.

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