20.12.2009  _  Kolumne Facebook

Im Büro Wackelwutz

Die Kolumne aus der SonntagsZeitung vom 21.12.2009

Krisensitzung im Büro Wackelwutz, der ersten Adresse für strategisch-integrierte Krisenkommunikation in hoch brenzligen Situationen. Inhaber Nello Wackelwutz erklärt dem jungen Beau, der mit dem Handy spielt: «Es ist eine hoch brenzlige Krisensituation. Als Kunde stehen Sie aber unter meinem Schutz. Wir werden integriert strategisch zurückkommunizieren und strategisch kommunikativ gegenintrigieren. Sehen Sie, Herr Horn …» Cevin Horn: «Sagen Sie Cevin. Cevin mit C.» – «Fein. Cevin! Frau Kaspar wird uns jetzt die Artikel über Sie präsentieren.» Wackelwutz’ integrierte Assistentin, eine aparte Blondine, liest vor: «Brandneue Zürcher Zeitung: ‹Weitere Vorwürfe gegen Klubbesitzer Horn.› Die Nationalwoche: ‹Täter Horn: Opfer der 68er­Kuschelpädagogik.› 23 Sekunden: ‹So horny ist Horn: Blowjobs für Millionärssohn!›» Wackelwutz: «Die verklagen wir.» Horn blickt auf: «Alles dreckige Lügen. Ich bin doch kein Millionenerbe! Paps ist Milliad­är!» Wackelwutz greift zum Hörer: «Verbinden Sie mich mit dem ‹23­Sekunden›­Chefredaktor. Hallo? Sali Thomi. Hier Nello. Das ist kein Journalismus mehr. Du musst diesen Schreiber entlassen. Was? Weisst du, wer ich bin? Niemand will Wackelwutz zum Feind! NIIIEEEEEEEEEMAND!!!» Wackelwutz schlägt mit dem Telefonhörer auf einen im Tisch eingelassenen Punchingball und brüllt: «Niemand! Niemand!» Horn ist begeistert. «Los. Jetzt fahren wir mit meiner Stretchlimo zu ‹23 Sekunden› und machen Rabatz.» Seine Bodyguards entsichern ihre Maschinenpistolen.

Or bring to justice!

Or bring to justice!


Frau Kaspar liest weiter: «Der Sonntagsprediger: ‹Exklusivinterview: Was wusste der Platinumroom?›» Wackelwutz: «Diesen Raum müssen Sie umbenennen, Cevin.» – «Okay, dann halt Black American Express Room. Den style ich mit schwarzer Nappalederpolsterung, Ebenholzmobiliar, und als Snack gibts nur Belugakaviar.» Wackelwutz: «Sehr gut. Jetzt designen wir noch ihre Interviewstrategie. Ich möchte, dass Sie möglichst natürlich rüberkommen.» Cevin klatscht Frau Kaspar auf den Po und sagt: «Schätzeli, wetschs der ä Member abverdinä?» Zu Wackelwutz: «Ich bin halt impulsiv.» – «Feinfühlig sind Sie, Cevin. Und Sie verehren die Frauen, weil die richtige noch nicht gefunden ist.» «Ich vertrags einfach nicht, wenn eine kompliziert tut. Provoziert man mich, dann brennen halt die Sicherungen durch.» Wackelwutz: «Frau Kaspar, notieren Sie: «Ich bin romantisch. Sensibel. Manchmal vielleicht etwas emotional. Jetzt möchte ich aber eine Familie gründen. Und eine Schreinerlehre machen, um auf eigenen Beinen zu stehen.» Horn spielt wieder mit seinem Handy. Wackelwutz erklärt Horn: «Für eine nachhaltige Kommunikation sollten wir eine Zeitung gründen. Zum Beispiel eine Gratiszeitung. Das ist nicht ganz billig, aber sehr effektiv. Und ich würde mein ganzes Prestige dafür in die Waagschale werfen. Ich würde erlauben, das Projekt wackelwutz.ch zu taufen.» Cevin versendet SMS. «Das wärs für heute», sagt Wackelwutz. Cevin Horn springt auf und verspritzt routiniert noch eine Magnumflasche Cristal Champagner über Frau Kaspar. «Die Rechnung wie immer an Paps Büro, ja?»


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