23.08.2009  _  Kolumne + Urs Schwaller; Schwaller; Bundesrat Facebook

Leben wie in Tafers (1712) oder warum Schwaller nie mein Bundesrat sein könnte

Die Kolumne aus der SonntagsZeitung vom 25.06.2006
Da und dort lese ich, Schwallers Urs sei allseits geschätzt und der grosse Hoffnungsträger auch der Linken, nix gebe es gegen ihn zu sagen. Pardon, schon vor drei Jahren habe ich in meiner Kolumne dargelegt, warum ich einen verstockten Papisten wie Schwaller nicht mag. Und übrigens in einem experimentellen Polemikvideo nachgelegt. Zwar finde ich den Video nur mässig gut, die Auswahl der Politiker aber, gegen die ich dort vom Leder ziehe, war von Schwaller bis Blocher richtig gewählt.

Die Zahlen darüber, wie die Schweizer Bevölkerung lebt, sprechen eine klare Sprache. Seit vielen Jahren wird weniger geheiratet. Dafür steigt die Wahrscheinlichkeit, dass nicht der Tod, sondern ein Gericht die Ehegatten scheidet. Und immer öfter gibt es Eltern, die gar nicht erst heiraten.
Das ist gut so, denn es belegt, dass es kein Makel mehr ist, «ein Uneheliches» zu sein. Niemand muss mehr als Effie Briest in einer unglücklichen Ehe ausharren. Aber auch die Anti-Ehe-Ideologie ist dahin. Heute dürfen alle, wie sie wollen.
Allerdings passt das der konservativen Ländlermehrheit in Bundes- und Ständerat nicht ins verknöcherte Weltbild. So schmuggelte Riesensparminister Merz in ein unbestrittenes Geschäft noch flugs eine generalisierte Ehebelohnung rein, mit der jedes Jahr 270 Millionen verjubelt werden. 2500 Franken «Sozialabzug» (Merz) kann künftig jedes Ehepaar bei der Steuer abziehen. Froh über diesen Zustupf dürften etwa Frau Bodmer-Ospel sowie Gemahl Ospel-Bodmer sein. Oder das Ehepaar Ebner, wenn es börsenmässig wieder unten durch muss. Ganz zu schweigen von den Merz’, die ebenfalls von Hans Rudolf Merz’ Giesskanne profitieren. Keinen «Sozialabzug» gibt es für Konkubinatseltern und allein erziehende Mütter. Sorry, aber wer nicht heiraten will, muss fühlen.
Sekundiert wird Sozial-Merz vom stockkatholischen Ständerat Schwaller aus 1712 Tafers. Oder von SVP-Mann Germann aus Opfertshofen, der einfach bitten möchte: «Ich möchte Sie einfach bitten, den Ehepaaren einen Stein in den Garten zu werfen.»
Ich dagegen würfe gerne einen Stein gen Ständerat. Die Leistungskantone finanzieren den 4-Milliarden-Agrarwahnsinn der Ländler. Weitere Steuergelder sichern sich die Schmarotzerkantone mittels Finanzausgleich. Trotzdem sind Tafers und Opfertshofen gegenüber Zürich und Basel massiv übervertreten. Trotzdem hat in einer Ständeabstimmung ein Urner Bauer so viel zu sagen wie 31 Zürcher Bürger. (Wer kassiert, der befiehlt!)
Dass dieselben Pappenheimer einem auch noch aufdrängen wollen, wie man leben soll, ist eine Zumutung. Und ein Lackmustest wie liberal, modern und urban FDP und CVP-Nationalräte tatsächlich sind.


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