29.03.2009  _  Fotos + Kolumne + Dili + Osttimor + Ratzinger + Skippy Facebook

Triste Tropen in Dili: Wie ich meinen alten Freund Skippy verriet!

„Sorry, Skippy“, dachte ich. Es war als würde ich einen guten Freund verraten. Skippy und ich waren einmal sehr nahe gewesen. Noch heute kann ich den Titelsong der australischen Serien-Antwort auf „Lassie“ und „Flipper“singen: „Skippyyyyy, Skippyyyyy. Skippy, das Buschkänguruuuuh.“ Skippy und ich bestanden so manches Abenteuer. Und das von einem mannshohen Propeller angetriebene Boot, mit dem sich durch Australiens Sümpfe gleiten liess, verankerte sich so sehr in meiner Vorstellungswelt, dass ich noch vierzig Jahre später an der Art Basel Miami Beach augenblicklich aller Kunstbetriebsamkeit entsagte, als ich vernahm, man könne im Propellerboot die Everglades befahren. „Adios amigo!“, dachte ich als ich diese Woche im Aussie-Grill sagte: „Ich nehme Känguruh mit Fritten.“
Skippy auffressen passte zur tristen Tropenstimmung, passte zum Regen der aufs Dacht trommelte, passte zu Osttimors verschlafener Hauptstadt Dili, in der noch immer überall Brandruninen stehen. Weil die Osttimoresen sich vor zehn Jahren erfrecht hatten, für ihre Unabhängigkeit zu stimmen, fackelten indonesische Milizen drei Viertel aller Gebäude ab.

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Heute lebt Dili von Öleinnahmen und vom zahlreichen UNO-Personal. Und es steht unter der Knute von Ratzingers crazy Kirche. Gegen Rom wird hier niemand gewählt. Abtreibung ist strikte verboten, derweil die vielen Vergewaltigungen kaum jemanden scheren. Die Schulen stellen sicher, dass der Vermehret-Euch!-Ukas befolgt wird, und niemand nur fürs Vergnügen vögelt. Geburtenrate: 7,8 Kinder pro Timoresin. Es mag mein eurozentristischer Kolonialistenblick sein, aber angesichts all der jungen Männer, die herum hängen und nicht wissen, was sie sollen, roch ich pendente Verwerfungen.

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Man setze auf Elektrifizierung und Fernsehen, erklärte mir eine Beraterin aus Paris. In New York sei es 1974 zu einem dreitägigen Stromausfall gekommen; neun Monate später habe man markant mehr Geburten registriert. Umkehrschluss: Mit der Glotze müsste sich Fruchtbarkeit romkompatibel mildren lassen.
So ein junges Land hat aber auch etwas Frisches: Kürzlich war der Premierminister trotz soufflierender Berater unfähig, an einer Pressekonferenz den Namen des hohen japanischen Beamten Takahisa Kawakami zu sagen. Dann fragte er Kawakami unverblümt: „Ihr Name ist so kompiziert, wieso nennen Sie sich nicht einfach Suzuki oder Honda.“

Als der Espresso kam, sagte ich mir: Man muss auch das Positive sehen. „Skippy“, dache ich, „du warst nicht nur ein treuer Freund. Du warst auch ein prima Steak!“

DIe Kolumne aus der SonntagsZeitung vom 29.03.2009

Wandmalerie in Dili
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Osttimors Hauteinnahmequelle Erdöl
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Konsumgesellschaft in Dili: Venganza & Always Fashion
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Konsumgesellschaft in Dili: Crazy Sandwich
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Konsumgesellschaft in Dili: Haushalt-Elektronik an der Hauptstrasse


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