23.11.2008  _  Fotos + Kolumne Facebook

Gute Laune in Saigon

SonntagsZeitung 2008.11.02

Damits raus ist: Mein Büro­alltag ist der Gleiche, aber bis Frühjahr bin ich in Sai­gon, Vietnam. Und da er­reichten mich plötzlich SMS und Mails des Inhalts, man hoffe, ich lebe noch.

2008 11 Am Pültchen

2008 11 Am Pültchen

Es stellte sich heraus, dass man in der Schweiz akkurat über eine Jahrhundertflut in Hanoi inkl. Opferzahlen ins Bild gesetzt worden war. Ich blickte von meinem Pültchen auf die Container­frachter, die sich den Saigon River hinaufschoben. Tat­sächlich, es goss in Strömen. Von einer Flut war hier aber nix zu bemerken.

Die Frontseite des «Cour­rier du Vietnam» jubelte, jetzt würden energische Massnah­men gegen die Inflation ein­geleitet. Und in Sachen Tele­vision bin ich gerade CNN­süchtig, obwohl ich längst alles über Obama und Bush weiss. Es ist wie damals bei Blochers Abwahl: Die frohe Botschaft macht so gute Laune, dass ich sie wieder und wieder hören will. Die CNN-Sende­zeit für Drittweltdesaster ist mit der Kongokrise belegt, sodass auch hier gilt: keine Vietnamflut. Nirgends.
Ein ähnliches Newsvakuum hatte ich Ende 2004 in Indien erlebt. Der Tsunami war in Goa nur eine grössere Welle.
Wie all die verkifften Freaks hatte mich Schadenfreude erfüllt, als die Jetski der reichen Stutzer auf die Küste geworfen worden waren.
Endlich Ruhe! (Zivilisierte Strandgemeinschaft heisst: Joint: Ja. Jetski: Nein.) Derweil die Schweizer Medien umfassend über die Tragödie berichteten, vermerkte Goas Lokalpresse lediglich, wie ungerecht es sei, dass Buchungen storniert würden. Chef-Minister Monohar Parrkiar verkündete, der Slogan «Goa – 365 days of tourism» werde ergänzt zu: «Goa – 365 Tage natur­katastrophefreier Tourismus». Es dauerte, bis man auch in Goa für die Opfer zu sam­meln
begann.
Ähnlich entfernt ist die Flut in Hanoi.
Hanoi liegt über 1000 Kilometer nördlich.
Hanoi ist gestreng und noch immer ziemlich kommunis­tisch. Derweil ist Saigon frivol. Saigon ist Sodom und Gomorra. Und nach Regen­güssen bloss ein wenig feucht. Danke der Nachfrage: Und wie ist das Wetter bei euch?

Nachtrag:

2008-11-wie-ist-das-wetter

Das Haus, in dem ich wohne, ist durch einen Garten vom Fluss getrennt. Eine Art Weiher, der mit dem Fluss verbunden ist, geht direkt bis an die Türen des Wohnzimmers. Der Saigonriver hat eine Art Ebbe und Flut, und wie man hört, war er selten so hoch. Eines Abendes, bei Flut, stieg das Weiherwasser bis auf einige Zentimeter zum Wohnzimmereingang.  Im letwas tiefer liegenden Teil des Hauses waren grosse Lachen.

Mehrmals tägtlich gehe ich den Wassestand kontrollieren. Und wenn ich durchs Haus laufe, denke ich, was müsste man dringend evakuieren, falls nachts die Flut kommt, der Strom ausfällt und man mit Taschenlampe das Wichtigste zusammensucht.

Die Regengüssse verwandeln die Strassen der Stadt flugs in Bachbetten. Aus dem Café Monopol beobachte ich einen armen Kerl mit Stock und traditionellem Hut, der seine Schuhe in einer Pfütze verliert. Der Mann links sucht nach seinen Schuhen

Petri Heil!

Mit viel Stockgestocher kommen aber beide wieder zum Vorschein.



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