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	<title>Thomas Haemmerli &#187; Carla Lia Monti Die Räuberinnen</title>
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		<title>R&#228;uberinnen und Moralgendarm</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Jun 2009 07:28:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>haemmerli</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[Carla Lia Monti Die Räuberinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Charlotte Roche; Feuchtgebiete]]></category>

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		<description><![CDATA[Das RIGUGEL-Prinzip: "«‹Ruschgift isch guet und git &#228; gueti Luun&#228;›. Deshalb nehmen das so viele Leute»"</p> Oder warum ich Roches "Feuchtgebiete" und Montis "Die R&#228;uberinnen" mag.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kolumne aus der <a href="http://www.sonntagszeitung.ch">SonntagsZeitung</a> vom 7.6.2009<br />(extended version aka director&#8217;s cut)</p>
<p>Vor einem Jahr bereiste ich Deutschland. Die Feuilletons &#252;berboten sich gerade mit Abscheu vor einem Buch, das die Bestsellerlisten anf&#252;hrte. Also las auch ich Charlotte Roches <a href="http://http://de.wikipedia.org/wiki/Feuchtgebiete">«Feuchtgebiete»</a>, die Erz&#228;hlung einer jungen Frau, die gerne v&#246;gelt und mit einer Vorliebe f&#252;r Unhygienisches gegen den Sauberkeitsfanatismus ihrer Mutter rebelliert. Ich mochte «Feuchtgebiete». Und bin damit offenbar nicht allein, denn Roche ist noch immer in den Bestsellerlisten. Das Buch profitiere bloss vom Skandalgewese, kann man nicht mehr behaupten.</p>
<p>Gleich erging es mir mit «Die R&#228;uberinnen». Bis nach Vietnam hatte ich vernommen, Presse und TV rieten dringendst vom Film einer jungen Frau ab, der primitiv, ja von Sex und Gewalt gepr&#228;gt sei. Nun geh&#246;re ich zu den verkommenen Menschen, die sich zuweilen gerne Kulturprodukte voller Sex und Gewalt zumuten. Und (St. Galler Regierung aufgepasst!) die &#252;berzeugt sind, zwischen Fiktion und Realit&#228;t unterscheiden zu k&#246;nnen. (Was fiktives von nicht-fiktivem Ficken unerscheidet, das, &#228;h, merkt man. Und bei Realgewalt bek&#228;me ich schm&#228;chtiger Brillentr&#228;ger eh nur auf die Schnauze.) </p>
<p>Es erging mir mit den «R&#228;uberinnen» gleich wie bei Roche, denn entgegen aller Warnungen erheiterte mich das groteske M&#228;rchen. Angefangen beim Gute-Laune-Rock des fantastischen <a href="http://www.triofromhell.com">«Trio from Hell»</a> &#252;ber <a href="http://www.alexandra-prusa.ch/">Alexandra Prusa,</a> die grossartig die b&#246;se Mutter gibt, bis zu all den Bildern, die f&#252;r helvetische Kinos neu sind: fr&#246;hlicher Kitsch, derbe &#220;berzeichnungen, blutiger Trash, &#252;ppig inszenierte Orgien. Und endlich, endlich ein Film, der ins Bild setzt, was der Ausgangspunkt jedweder Er&#246;rterung von Drogenph&#228;nomenen sein sollte: das RIGUGEL-Prinzip – </p>
<blockquote><p>«Ruschgift isch guet und git &#228; gueti Luun&#228;»</p>
</blockquote>
<p>. Deshalb nehmen das so viele Leute. Und nicht etwa, weil die Warnhinweise auf den Drogenpackungen nicht gross genug w&#228;ren. Man betont, wenns um Beischlaf geht, ja auch nicht jedes Mal, das k&#246;nnte aber mit einem dicken Bauch, mit Aids oder der Kr&#228;tze enden.</p>
<p>Mir gefiel es, h&#228;ssliche, nackte K&#246;rper zu sehen, mir gefiel es, im Kino einmal einen Penis zu sehen. (Denn ausserhalb von Pornos gehts eher pr&#252;de zu. Ein neuer Dok-Film &#252;ber die Tanzchoreografin Anna Halprin etwa, die fr&#252;h Nacktheit auf die B&#252;hne brachte, &#252;berblendet konsequent jeden Schniddelwutz.) Mir gefiel die Vielsprachigkeit, etwa wenn die zwei Heldinnen miteinander in zwei &#228;hnlichen, aber doch verschiedenen Sprachen sprechen, n&#228;mlich Schweizerdeutsch und Fl&#228;misch. Und mir gefielen Viktor Giacobbo und Patrick Frey, die als totenblasse abgeschlagene K&#246;pfe Spr&#252;che klopfen.<br />
Die Heldin im Film zeigt ein Mal ein Medaillon mit dem Konterfei von John Waters und sagt: &#8220;Das ist mein Vater.&#8221; Zu Recht. Denn wie die fr&#252;hen John Waters Filme besteht &#8220;Die R&#228;uberinnen&#8221; aus einer Ansammlung grotesker und zum Teil ekliger Bilder, wie bei den fr&#252;hen Waters-Filmen spielt die Rahmenhandlung kaum eine Rolle.</p>
<p>«Feuchtgebiete» hat M&#228;ngel und auch «Die R&#228;uberinnen» ist nicht perfekt. Und trotzdem tut man gut daran, eher seiner Neugier oder – meinetwegen – seinen niedersten Instinkten (oder noch schlimmer: mir) zu vertrauen als dem Feuilleton und verschreckten Kritikern.</p>
<p><a href="http://www.raeuberinnen.ch/">http://www.raeuberinnen.ch/</a></p>
<p>FUSSNOTEN &#038; DRGL<br />
&#220;brigens: Auch der Dokfilm <a href="http://www.breathmadevisible.com">&#8220;Breath made visible&#8221;</a> &#252;ber die Tanzchoreographin Anna Halprin kann ich empfehlen. Halprin ist weit &#252;ber 80 und eine verbl&#252;ffend charismatische Erscheinung, die seit den sechzigern avantgardistisches Tanzen gepr&#228;gt hat. Manche der Bilder, die Halprin auf die B&#252;hnen bringt, und die zwischen Kunst und Tanz anzusiedeln sind, gehen mir, seit ich den Film gesehen habe, st&#228;ndig durch den Kopf. Lasse man sich bloss nicht vom esoterisch angehauchten Start des Trailers abschrecken, hinten kommt&#8217;s gut.</p>
<p>RIGUGEL: FIGUGEL startete 1981 als Akronym der schweizerischen K&#228;seunion: Fondue isch guet und git &#228; gueti Lun&#228;. Die Reklame war allpr&#228;sent und ist in der Deutschweiz noch heute weit gehend bekannt. </p>
<p>&#8220;Feutchtgebiete&#8221; ist keine grosse Literatur, aber eine flotte Erz&#228;hlung. Und dass eine Erz&#228;hlung es fertig bringt, dass wir uns ekeln, ist eine der St&#228;rken des Buches. ich las Feuchtgebiete in einem Zug weg, war gut unterhalten und ein paar Szenen werde ich wohl nie mehr vergessen. Wo&#8217;s hapert ist die Rahmengeschichte. Als Motiv, warum die Protagonistin sich Afterverletzungen zuf&#252;ge, ist angef&#252;hrt, sie wolle, dass sich die getrennten Eltern im Spital begegneten, um in Folge wieder zusammen zu finden. Derlei naiver Schmonzes passt einfach nicht zur ansonsten illusionslosen und durch und durch abgebr&#252;hten G&#246;re.</p>
<p>Vielsprachigkeit: Ich vermute, dass Dschoint Ventschr Produzent Samir seine Finger im Spiel haben k&#246;nnte. Jedenfalls erinnerte mich der Verfremdende Effekt, den das Fl&#228;mische hatte, an Samirs <a href="http://www.dschointventschr.ch/dv/stage/filmflyer.php?shortcut=ETAKNABINO">Esperantom&#228;rchen La Eta Knabino</a>. (Lese soeben, Eta Knabino sei ein Stummfilm gewesen. Vielleicht betr&#252;gt mich auch das Ged&#228;chtnis, wenn&#8217;s jemand noch weiss: Bitte um Aufkl&#228;rung wie das mit dem Esperanto war.)</p>
<p>Inzwischen ist mir Samir begegnet. Ich habe nachgefragt. Es ist zwar ein Stummfilm, der aber nachsynchronisiert wurde.<br />
(Ged&#228;chtnis erleichtert ab.)</p>
<br /><br /><hr />
<small>Autor: <a href="http://www.messiemother.com" >haemmerli</a> </small>]]></content:encoded>
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