2009 11 14, Casa Bar, erstes Jack Stoiker Come back-Konzert
Seit Jahren hingen mir die zurechnungsfähigsten Freunde i.e. Vircho, Steini et al. in den Ohren, wie geil Jack Sroiker sei. Stets schien mir, dass ich den Namen schon gehört hätte. Und das war’s auch schon. Dann erhielt ich kürzlich ein Mail meiner Herrenrunde, nach Jahren gebe es endlich ein Stoiker-Comeback. Justament in der Casa Bar, die Rudi Bindella jun. führt. Ich bin ja schon Papa Bindella als ferner Fan verbunden, weil Bindella ein wichtiger Aktor, der mit half, das Züricher Gastgewerbe zu liberalisieren. Ausserdem ist Bindellas System-Gastronomie praktisch immer Gewähr dafür, dass ein Laden anständig geführt wird.
Man versicherte mir, es hätte für die Herrenrunde eine Tisch in der Casa Bar und Freund Virchow würde Stoiker gebührend ansagen. Unsere Gruppe schwoll an wie gebrochene Gliedmassen, plötzlich wollten auch diverse Damen erscheinen, Bindella Junior erklärte, es sei alles sehr ausverkauft und würde ein wenig schwierig. Jedenfalls musste ich mir den Weg in die Casa erschwafeln. Und der Türsteher lachte herzhaft als ich erklärte ich sei im Fall beim Chef am Tisch.
Die Casa war leer geräumt. Es gab nicht einen Tisch. So landete in einer Ecke mit jungen muskulösen Kerls aus der Provinz, die sehr breitbeinig auf der einzigen Eckbank sassen. Ich musste darauf bestehen, dass sie ein wenig zusammenrücken hätten, um unverzüglich älteren Notabeln Platz zu machen.
Die Jungs, mit City-Codes kaum vertraut, hielten mich für sehr homosexuell, und wurden ein wenig schwierig. Wir wetteifern dann, wer abgefeimter sei und die härteren Sprüche drauf habe. Gott sei dank erschien Adi Frutiger, ein Held in Sachen Schweizer Film Vertonungen (u.a. die Musik für meinem Film ), der auch Stoiker produziert hat. Dir Provinzrabauken waren beeindruckt: Der Produzent!
Endlich kam Stoiker, den ich für eine Art Stand Up Comedian gehalten hatte. Die komplette Fanbasis schien angereist, die meisten Menschen sangen jede Zeile auswendig mit, wenn sie nicht gerade skandierten „Jack is back! Jack is back!“.
Auch ich, kompletter Stoiker Novize, war begeistert. Der Looser-Akzent par exellence, St galler-Deutsch passt perfekt zu Stroikers common sense gesättigten Verlierer Songs. Ausserdem ist Stroiker mehrfach codiert: Der Provinzdepp, der das Gefühl hat, der Deutsche würde ihm die Butter vom Brot stehlen, singt beglückt und voller Ressentiment: „Die Düütsche sind blöd.“ Unsereins hört raus, das – wie bei Céline – jeder sein Fett weg kriegt und jedwede Nationalität beschimpft wird, singt also genauso beglückt den Refrain: „Die Dütsche sind blöd.“
Überhaupt liegt das Erfolgsrezept Stoikers neben dem Dialekt und seinem Charme darin, dass er ein ungeheures Gespür für die Sounds spezifischer Szenen hat. Er persifliert Nazimusik (Petri Heil!) genauso wie Punks und Berner Mundartrock, dass es eine Freude ist.
Richtige Darlings sind überdies der Mann am Bass und ganz besonders Lea Sowieso. Gerne hätte ich ja Lea noch „Ois gaz verschisseä“ (oder wie immer die Persiflage auf die Berner Mundarter heisst) singen gehört. Jedenfalls bin inzwischen auch ich ein strammer Stoiker-Propagandist und empfehle allen Ahnungslosen des Herrn Stoiker Ton-Produkte, mehr noch seine Konzerte.
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P.S.: Die Fotos kann man in nicht-kommerziellen Kontext gerne unter Nennung der Homepage www.haem.ch sowie des Knipsers Haemmerli auf eigenen Seiten oder Gesichtsbuch verbraten gegen harte Währung aber auch als signierten, nummerierten, ja schwerst limitierten Print („Persönlicher Jack-Werte-Blow-up“) erwerben.
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Ein Kommentar
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Hildebrandt
Jack nennt sich Stoiker, wie der Anhänger der Stoa! Er heisst aber gar nicht so. Und ich traf ihn am Sonntag nach dem zweiten Gig … im Zoo, mit Frau und etwa acht Monate altem Kind vor dem Pinguinarium. Als ich ihn fragte, ob er jetzt Kinderlieder schreiben müsse, stellte sich heraus, dass er am Abend davor die Stimme verloren hatte. Aber auch der zweite Abend sei sehr voll gewesen.
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